Kurzüberblick über moodle
„Moodle“ (Kurzform für „Modular Object-Oriented Dynamic Learning Environment“) ist eigentlich überhaupt kein LMS, sondern nennt sich selbst CMS, wobei die Abkürzung für Course Management System steht (und nicht etwa für Content Management System). moodle spezialisiert sich also vor allen Dingen auf das Aufbereiten von Online-Kursen und ist von daher besonders aus didaktischer Sicht interessant. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob das System an Schulen, Hochschulen oder sonstigen Bildungseinrichtungen eingesetzt wird: moodle beschränkt sich auf die „Basics“, versucht dort dafür aber auch möglichst allumfassend und trotzdem weiterhin einfach und klar strukturiert zu sein. Und obwohl auch moodle auf Module aufbaut (also wie ein Baukasten zusammengesetzt werden kann) bemüht man sich bei diesem System immer ein stringentes und homogenes Gesamtbild abzuliefern. Das liegt möglicherweise auch daran, dass moodle als eines der wenigen LMS auf einer Philosophie und damit auch auf einer theoretischen Grundlage fundiert.
Kreativer Kopf hinter moodle ist Martin Dougiamas, ursprünglich Webadministrator an der australischen Curtin University of Technology. Seine Motivation für moodle erwuchs hauptsächlich aus der tiefen Überzeugung, dass in didaktischer Hinsicht bei der Aufbereitung von Webkursen noch einiges getan werden kann. Dabei stand für moodle immer der Konstruktivismusbegriff im Vordergrund. Die Entwickler sind sich zwar bewusst, dass moodle als „Pauk-Maschine“ oder „Online-Frontalunterricht“ genutzt werden kann, im Mittelpunkt stellt Dougiamas allerdings das entdeckende und aktive Lernen. Der Tutor soll bei moodle nur noch „Lernbegleiter“ sein. Die Diskussion und das gemeinsame Arbeiten an Aufgaben sollen hier viel eher im Mittelpunkt stehen als die Autoritätsperson „Lehrer“ (ganz abgesehen davon, dass die Autorität eines Online-Tutors eh grundsätzlich eine andere ist). Dougiamas baut moodle deswegen auf vier Säulen auf: Dem klassischen Konstruktivismus (also der These, dass Wissen vom Rezipienten aktiv selbst konstruiert und verknüpft wird), dem sogenannten „Konstruktionismus“ (dahinter verbirgt sich die Überzeugung, dass Lernen dann besonders effektiv ist, wenn der Inhalt gut aufbereitet ist - also vom Lehrenden gut „vor“-konstruiert wurde), dem sozialem Konstruktivismus (also, dass das gemeinschaftliche und reflektiertes Konstruieren von Wissen erneut eine konstruktive Dimension für sich erreicht) und dem „Verbunden“ und „Aufgeteilt“ sein (vereinfacht gesagt der Symbiose aus der gemeinschaftlich empathischen Teilnahme am Lernprozess mit der separierten, objektiven Betrachtungsweise von Zusammenhängen). moodle ermutigt dabei alle Lehrenden, sich diese Konzepte vor Augen zu halten – und dass es eben nicht nur um das „was wird vermittelt?“ geht, sondern auch um das „wie?“.
Das gesamte Projekt zeigt wie kein anderes, wie man die Stärken von Open Source zur Entwicklung von Software nutzen kann. Mittlerweile arbeiten neben ein paar Hauptentwicklern noch eine Vielzahl freiwilliger Helfer mit, die moodle mit neuen Modulen, Übersetzungen, Dokumentationen oder Ideen versorgen. Dadurch hat sich moodle mittlerweile, mit vergleichsweise geringem Budget, zu einem ganz großen Player im LMS Markt hochgearbeitet. Eine große Community mit über 100.000 registrierten Nutzern sowie ein Netzwerk weltweiter Partner für Hosting, Installationshilfe, Support oder Entwicklungsunterstützung unter der Adresse moodle.com (die gleichzeitig auch als finanzielles Standbein dient) runden das Angebot ab. Dabei bleibt das eigentliche Produkt, wie bei Open-Source üblich, natürlich weiterhin gratis.
Installation
Das Moodle Downloadpaket ist ca. 15 mb groß. Moodle selbst wurde für Apache, MySQL und PHP entwickelt und läuft im Prinzip auf jedem Server, der PHP ab Version 4 unterstützt und eine SQL-Datenbank anbietet. Die Installation von moodle ist dank Installationsroutine äußerst simpel und setzt keinen eigenen Server vorraus. Eine einfaches Shared Hosting Webspace Angebot reicht aus.
Was bietet moodle?
Wie gesagt arbeitet moodle mit Modulen und „Plugins“, die als Werkzeuge zur Vermittlung des jeweiligen Konzepts fungieren. Dabei erfindet moodle das Rad eigentlich gar nicht neu. Die Module beinhalten alle wichtigen Funktionen, die man auch aus anderen LMS kennt: Ein Aufgabenmodul zur Abgabe von Übungen (samt Abgabedatum und Evaluation- und Feedbackfunktionen für den Lehrenden), ein komplettes Messenger-System zum Austausch von Nachrichten sowie Chats innerhalb der Lernumgebung, klassische Community-Funktionen (wie eigene Profilseite samt Avatar erstellen) ein Umfrage- bzw. Abstimmungsmodul, die obligatorischen Forensysteme, Glossare, Quizzes, News und Ankündigungen, Workshop-Werkzeuge, eigene Lerntagebücher (im Stil eines Weblogs), ein so genanntes „Arbeitsunterlagenmodul“, welches die Bereitstellung von Lernmaterialien aller Art ermöglicht, ein relativ aufwendiges Testmodul zur Integration eigener interaktiver Tests und Lerninhalte und viele weitere optionale Plugins, mit denen das System erweitert werden kann. Beispielsweise arbeitet moodle auch problemlos mit anderen E-Learning und Open-Source Werkzeugen wie z.B. Hot Potatoes oder ErfurtWiki zusammen. Die Integration in die Umgebung erfolgt dabei völlig nahtlos. moodle ist damit eines der flexibelsten und mächtigsten Tools im Bereich der elektronischen Kursaufbereitung. Spezielle Wünsche setzt das Entwicklerteam bei Bedarf auch über deren Support-Seite moodle.com um.
Wie so häufig sind aber nicht die einzelnen Werkzeuge hinter dem LMS interessant sondern dessen didaktisches Grundkonzept sowie das Zusammenspiel und Bedienungsfreundlichkeit der Module mit den Inhalten.
Das LMS aus der Sicht des Lernenden
Erster Eindruck
Je nach Kurskonfiguration muss man sich bei moodle nicht zwangsweise anmelden. Erlaubt der Kurs die Teilnahme als Gast, reicht auch schon das ansurfen des jeweiligen Kurs-Links um die Inhalte lesen zu können. moodle arbeitet dabei mit Blöcken, wie man sie auch von gängigen Content Mangement Systemen kennt: Links befinden sich meist die Navigationsleisten und unter Umständen einige Infos (wie: „Wer ist gerade online?“ etc.). Rechts platziert moodle allgemeine Informationen wie einen Kalender oder Ankündigungen – aber natürlich ist auch dieses Design auf Wunsch vom Tutor anpassbar (mehr dazu später). In der Mitte und gleichzeitig dem größtem Teil des Bildschirms befinden sich die Inhalte. Auf der Startseite findet man dabei meist eine Übersicht aller verfügbaren Kurse. Klickt man einen Kurs an, wird der Mittelteil durch den Lerninhalt des Kurses ersetzt und die Blöcke links und rechts um die jeweiligen Funktionen oder Informationen (z.B. Ankündigungen des Tutors) für den Kurs erweitert. Schön ist dabei, dass der Nutzer die einzelnen Blöcke auf Wunsch schließen kann, um sich ganz auf die Inhalte zu konzentrieren, die für ihn von Interesse sind.
Welche Optionen werden angeboten?

Wie erwähnt befindet sich in der Mitte des Bildschirms der eigentliche Inhalt des jeweiligen Kurses. In der Regel wird der Tutor dafür eine Art Agenda aufstellen (moodle spricht von „Themenformat“): Jeder einzelne Themenbereich des Kurses erhält einen kurzen, eigenen Block, der prinzipiell alles Mögliche enthalten kann: Text, Bilder, HTML-Code - in aller Regel wird dem jeweiligem Block auch eine konkrete Ressource zugefügt. Das kann z.B. eine Arbeitsunterlage, ein bestimmtes Forum, ein Abgabeformular oder ein Glossar sein – eben jedes gewünschte Werkzeug, das moodle als Modul bzw. Plugin anbietet. Alternativ bietet moodle auch das „Wochenformat“ an – dann wird jeder einzelne Agendablock nach einer festgelegten Zeit frei geschaltet, ähnlich wie eine wöchentliche Kurssitzung. Auch standardisierte Formate wie LAMS und SCORM sollen zukünftig bei moodle importiert werden können. Als letztes Format bietet moodle auch noch ein so genanntes „offenes Kommunikationsforum“ an – hierbei werden alle Themen einfach rund um ein zentrales Forum angeordnet. Somit ist moodle auch für Lehrer interessant, die vor allen Dingen gemeinschaftliches Lernen und Arbeiten zum Einsatz bringen wollen.
Was man als Lernender so zu Gesicht bekommt ist somit zwar simpel strukturiert, aber äußerst übersichtlich, sofort verständlich und effizient. In der Regel arbeitet man sich so linear durch die Agenda und nutzt die vom Tutor angebotenen Werkzeuge um sich z.B. mit anderen auszutauschen oder Arbeiten abzugeben. Über die anderen Blöcke links und rechts wird man so nebenbei auch noch an wichtige Termine erinnert, über Neuigkeiten informiert (die z.B. der Tutor eingegeben hat), kann Foren nach Hilfe durchsuchen oder sieht, wer sonst noch gerade an dem Kurs teilnimmt. Zudem sind die Module von moodle natürlich nicht nur an den Lerninhalt gebunden. Es können problemlos auch allgemeine Foren, Chats oder Glossare eingerichtet werden – diese erscheinen dann in der Regel ebenfalls am äußeren Rand des Bildschirms. Bei den Glossaren gibt es zusätzlich ein schönes Feature, das man sich auch für andere LMS wünschen sollte: Bei Bedarf werden Wörter im System, die im Glossar erklärt werden einfach unterlegt. Ein Klick darauf öffnet dann ein kleines Fenster mit der Erklärung des Begriffs. Der Nutzer muss also nicht extra für jeden unbekannten Begriff das Glossar öffnen.
Wirklich alle Funktionen von moodle vorzustellen würde den Rahmen dieses Testberichts mit Sicherheit sprengen – zudem kommen immer wieder neue Funktionen hinzu. Stellvertretend hier deswegen nur ein paar Beispiele, wie man als Schüler, Student oder Fortzubildender mit den moodle Ressourcen arbeiten kann. Öffnet man beispielsweise das Werkzeug „Aufgaben“ erscheint eine Maske mit Anweisungen des Tutors, welche Aufgabe zu erfüllen ist und wie man diese einreicht – das kann z.B. durch das Hochladen eines Dokuments geschehen, durch das Ausfüllen eines Formulars oder auch außerhalb des Kurses. moodle verwaltet den kompletten Prozess und zeigt dem jeweiligem Nutzer nach Korrektur in einer Liste das Feedback des Tutors an (z.B. eine kleine Begründung und die Note). Klickt man dagegen auf „Arbeitsmaterialen“ erhält man einen Überblick über alle kursrelevanten Dokumente, die vom Tutor bereitgestellt wurden. Interessant ist auch das „Lektionen“-Modul, mit dem kleine interaktive Lernprogramme verfasst werden können. Der Lehrende bereitet mit den moodle Editoren die Inhalte auf und fügt diesen dann eine Frage hinzu. moodle unterstützt dabei ein ganzes Fragenset von einfachen wahr/falsch-Fragen über multiple choice mit einen oder mehreren richtigen Antwortmöglichkeiten bis hin zu komplett freien Antworten. Es wertet hier nicht nur die Ergebnisse aus und vergibt auf Wunsch Punkte sondern ermöglicht auch das Einpflegen von Pfaden und Bedingungen: Je nachdem, wie gut man als Lernender also antwortet ändert sich so auch der Verlauf der einzelnen Lektionen.
Auch wenn all diese Funktionen sehr komplex sind legt moodle besonders viel Wert auf klare Strukturen und Übersichtlichkeit. Im Gegensatz zu den meisten anderen LMS offenbart moodle seine Mächtigkeit erst nach und nach und führt den Lernenden durch die verschiedenen Bildschirme und Optionen. Auch gängige Internetwerkzeuge wie Chat, Foren oder Wikis, die den meisten Internetnutzern bereits vertraut sind können sofort und ohne große Einarbeitungszeit genutzt werden. moodle überlädt den Bildschirm nicht und geht lieber ein paar Schritte mehr in die Tiefe als in die Breite. Trotzdem muss man selten mehr als dreimal klicken, um vom Obermenüpunkt zum gewünschten Untermenü zu kommen. Allerdings sind fast alle Funktionen auf den jeweiligen Kurs bezogen – große kursübergreifende Funktionen bietet moodle nicht. Da zeigt gerade mal der Kalender auch die wichtigen Daten aus anderen Kursen an, um mehr Transfer kümmert sich moodle leider nicht. Das gilt auch für die Verwaltungsaufgaben, die im Gegensatz zu LMS mit dem Schwerpunkt Management (wie z.B. StudIP) bei moodle sehr dürftig ausfallen. Zwar kann man sich als Lernender natürlich auch online in moodle-Kurse eintragen, im Prinzip war’s das dann aber auch schon – der Tutor kann dann höchstens noch manuell ein- und austragen, die zeitliche Anmeldeperiode festlegen oder für seinen Kurs ein Passwort vergeben. Besonders an Hochschulen leiden Studenten aber häufig darunter, dass man sich an sehr vielen unterschiedlichen Kursen anmelden muss, die dann zudem häufig noch anmeldebeschränkt sind. In so einem Fall wird eigentlich ein System benötigt, welches die Anmeldeformalitäten übernimmt und z.B. abwägt, auf welche Kurse ein Teilnehmer ein Vorrecht hat, während ein anderer Teilnehmer über das Losverfahren zugewiesen wird usw. Genau solche Funktionen bietet moodle leider nicht an – dann hilft im Zweifelsfall wieder nur die E-Mail an den Tutor mit der Erklärung warum man aus bestimmten Gründen (bei Studenten kann das z.B. die Studienordnung oder die Regelstudienzeit sein) doch ein Anrecht auf den Kurs hat. Für Kursanbieter, die aber ohnehin nach dem „first-come-first-served“-Prinzip arbeiten möchten sind die moodle Funktionen vermutlich schon ausreichend.
Die größte Stärke von moodle bleibt zweifelsohne das Design, das nicht nur sehr flexibel ist sondern sich auch stark den Wünschen des Tutors anpasst. Deshalb hängt die komplette didaktische Struktur am Ende stark vom Lehrenden ab. Wie genau beim Erstellen neuer Kurse vorgegangen wird, zeigt der nächste Abschnitt.
Das LMS aus der Sicht des Lehrenden
Erster Eindruck

Loggt man sich als Lehrer in moodle ein unterscheidet sich der Anblick nicht sonderlich von dem des Schülers. Links wird der Balken um einen weiteren Kasten mit Administrationsfunktionen ersetzt. Je nachdem, welche Rechte man als Lehrer hat kann man hier von der einfachen Notenverwaltung bis hin zur Erstellung neuer Kurse jede Funktion konfigurieren und steuern. Eine weitere neue Funktion ist ein Button, mit dem der Editier-Modus aktiviert werden kann. Damit verwandelt sich die aktuell angezeigte Seite in den Bearbeitungsmodus. moodle orientiert sich dabei allerdings mit Ausnahme des HTML-Editors nicht an herkömmliche WYSIWYG („What you see is what you get“ ) Editoren sondern arbeitet hauptsächlich mit Hilfe kleiner Icons und Drop-Down Boxen: Klickt man z.B. neben einem Objekt auf einen links Pfeil wird dieses dadurch um einen Schritt nach links verschoben, mit Hilfe der Drop-Down Boxen fügt man sehr schnell links und rechts neue Blöcke hinzu oder ergänzt Inhalte mit Ressourcen. Nachteilig fällt jedoch auf, dass nach jeder Aktion die Seite neu geladen wird, was den Workflow etwas ausbremst. Zudem kann es auf Dauer etwas irritieren, dass jedes Objekt seine eigene Iconleiste hat. Ansonsten sind die Funktionen auch hier sehr schnell verständlich und man kann auch als Lehrender mit moodle arbeiten ohne erst ein dickes Handbuch wälzen zu müssen. Auffallend ist auch, dass moodle für nahezu jede Funktion einen kleinen Hilfeknopf in Form eines Fragezeichens anbietet. Somit ist es problemlos möglich, sich moodle im Prinzip des „Learning-by-doing“ zu nähern.
Welche Optionen werden angeboten?

Neben den bereits erwähnten Editiermöglichkeiten, die sich auf nahezu jedes Textobjekt anwenden lassen (Einzüge, Bearbeiten, Verschieben, Löschen, Verstecken) und den Drop-Down Boxen, die zum Hinzufügen neuer Ressourcen (Foren, Arbeitsunterlagen, Chats etc.) oder Informationen („Wer ist gerade online?“, Kalender etc.) dienen bietet moodle im Administrationsmenü zahlreiche weitere Optionen.
Die Einstellungsmöglichkeiten sind auch hier wieder äußerst umfangreich. So kann man in den Kurseinstellungen nicht nur den Namen, die Kurzbeschreibung, die Sprache, das Format (z.B. das erwähnte Wochen- oder Themenformat) oder die zugeordnete Kategorie (bzw. Fach oder Studiengang) auswählen sondern auch ganz spezielle Fälle konfigurieren: Über ein Bezahlmodul ist so z.B. das Anbieten kostenpflichtiger Kurse möglich. Der Kurs kann per Passwort geschützt und die maximale Datengröße für Uploads festgelegt werden. Der Lehrende kann auch entscheiden ob er seinen Kurs für Gastteilnehmer öffnet oder ob Gruppenbildung Pflicht ist, genauso wie er z.B. die maximale Anzahl an Nachrichtenmeldungen bestimmen kann. Auch bei der Teilnehmerverwaltung greift moodle dem Lehrenden unter die Arme. So gibt es neben der obligatorischen Nutzerübersicht natürlich auch eine Übersicht der vergebenen Leistungen in Form eines Notenmoduls. Dabei achtet moodle auch auf kleine Details – z.B. dass die Notendatenbank auch als Excel-Tabelle exportiert werden kann. Auch bietet moodle eine große Anzahl an Report- und Evaluationsmöglichkeiten des Kurses. Von der konkreten Evaluation durch die Teilnehmer bis hin zum aufgelisteten Logfile, der jede An- und Abmeldung protokolliert kann sich der Lehrer bei moodle alles auflisten lassen. Die Datenmenge ist jedoch manchmal soviel, dass einige dieser Funktionen stark an Übersichtlichkeit einbüßen. So muss die Frage erlaubt sein muss, ob weniger hier nicht manchmal mehr wäre.
Auch an Backup-Funktionen hat moodle gedacht. So kann ein Kurs problemlos lokal als Datei abgespeichert und bei Bedarf wieder eingespielt werden. Mit Administratorrechten kann natürlich auch das Design von moodle geändert werden. Die Formulare sind dabei ebenfalls sehr umfangreich und gehen vom Einstellen der Sprache (moodle bietet Übersetzungen mittlerweile in über 60 Sprachen an) über die Option, Dateien serverseitig per ZIP-Format zu archivieren bis hin zur Möglichkeit, die Kurse per Google indexieren zu lassen. Selbst an so „Kleinigkeiten“ wie einen globalen Textfilter oder einen eigenen „Maintenance mode“ (zum Einblenden von Wartungsmeldungen während eines Update-Vorgangs) hat moodle gedacht.
All diese Punkte sind über das Administrationsmenü zugreifbar und daher schnell und einfach zu finden. Probleme von anderen LMS, die bestimmte Funktionen teilweise über viele verschiedene Seiten verstreuen hat moodle nicht. Die Vielzahl der Einstellungsmöglichkeiten können hier kaum in Gänze beschrieben werden: Die offene Architektur von moodle erlaubt es jedenfalls, alle verfügbaren Optionen bequem über Menüs und Formulare zu modifizieren, ohne sich um HTML- oder PHP-Code Gedanken machen zu müssen. Dabei hat das System aber schon Wert darauf gelegt, dass es auch ohne große Einstellungsänderungen schnell und für den Allgemeingebrauch zufrieden stellend läuft. Dabei bezieht sich dies nicht nur auf die Einstellungen von moodle an sich sondern auch auf die Optionen für die einzelnen Module. Installiert man also z.B. ein neues Werkzeug erscheint dieses im Verwaltungsbereich unter dem Punkt „Modules“ und kann dort ebenfalls per Formular den eigenen Wünschen angepasst werden.
Die Vorgehensweise ändert sich leicht wenn man als Lehrender mit bestimmten Modulen arbeitet (sie also nicht konfiguriert sondern z.B. eine interaktive Lektion programmieren möchte). Dann arbeitet moodle meistens mit Reiterkarten-Systemen, wie man sie aus Windows kennt. Will man z.B. einem Content eine Frage anhängen kann man über die entsprechende Reiterkarte den Typ auswählen (Multiple Choice, wahr/falsch-Fragen, Kurzantworten, Numerische Antworten, freie Antworten oder Essays) und im darunter liegendem Formular die Frage, die möglichen Antworten sowie das jeweilige Feedback und die darauf folgende Bedingung (z.B. eine Seite zurückspringen etc.) festlegen.
Didaktischer Nutzen und Fazit

Das LMS kann tatsächlich als Pauk-Maschine eingesetzt werden. Die klassischen moodle-Werkzeuge wie das Lektionsmodul und die recht lineare Kursbauweise erinnern zunächst eigentlich eher an klassische Medien wie Lehrbuch oder Karteikarten, die lediglich um einige Aktivitäten wie Foren oder Chatmöglichkeiten ergänzt wurden. Tatsächlich widerspricht die moodle Philosophie aber dieser Denkweise. Viel mehr legt das System die didaktische Struktur vollkommen dem Dozenten in die Hand. Auch wenn die Kurse bei moodle schnell, einfach und intuitiv aufgebaut werden können fordert es was Struktur, Ablauf und Verwaltung angeht immer noch ein didaktisches Konzept seitens des Tutors. moodle spezialisiert sich nicht auf „das eine“ Konzept, auf besonders viel Grafik oder besonders viel kollaborativem Lernen – in der Hinsicht bezieht es dazu überhaupt keine Stellung.
Moodle zeigt jedoch, dass dies gar kein Nachteil sein muss – im Gegenteil. Das LMS ist in erster Linie selbst Werkzeug und eignet sich daher für Lehrende, die bereits ein konkretes Online-Konzept vor Augen haben und nur noch ein mächtiges Programm suchen, welches es umsetzt. Hierfür ist moodle in der Tat sehr gut geeignet, wofür ja auch die große Verbreitung dieses Systems spricht. Dabei spielt es noch nicht mal eine große Rolle, wo moodle eingesetzt wird. Das System kann in Schulen und Universitäten genauso seinen Einsatz finden wie bei einer Privatperson, die sich per Fernkurse und dem Bezahlmodul eine eigene Existenz aufbauen möchte. Die vielen Optionsmöglichkeiten sorgen zusätzlich dafür, dass man nicht so schnell an die Grenzen des Systems stoßt. Zudem bleibt dann bei Bedarf immer noch moodles eigenes Supportsystem.
Eher geringen didaktischen Nutzen bietet moodle dagegen bei kursübergreifenden Transfers und im Bereich der Verwaltung und Administration. Das LMS eignet sich daher tatsächlich nur zur Erstellung eigener Kurse, die man mit LMS-typischen Modulen wie Foren, Chats, Wikis, Messagesystemen etc. anreichern möchte. Die fehlenden Verwaltungsmöglichkeiten sind gleichzeitig auch moodles größtes Handicap. Wer die komplexen Abläufe von einigen Hochschulen mit hunderten unterschiedlichen Kursen mit (was allein den Verwaltungsapparat betrifft) unterschiedlichsten Bedürfnissen und unterschiedlichsten Regeln und Ordnungen kennt, wird bei moodle schnell an die Grenzen des Machbaren stoßen. Zwar bietet das System immer mehr Module für unterschiedliche Prozeduren an – an die Funktionsvielfalt eines Stud.IP kann es jedoch (noch) in keinster Weise hinreichen. Anmeldebeschränkte Kurse, Kurs- und Raumverwaltung, Semesterplanung – für wen das die Schlüsselworte bei der Auswahl eines LMS sind, der sollte um moodle lieber erst Mal einen Bogen machen. Das gleiche gilt für Profis, die sich bei Bedarf auch mit weniger benutzerfreundlichen und intuitiven LMS auseinandersetzen und dafür aber schneller arbeiten wollen. Auch wer in erster Linie ein "schickes" LMS will und auf gutes Grafikdesign wert legt ist womöglich mit anderen Systemen wie OLAT besser bedient. moodle setzt in diesem Zusammenhang leider immer noch sehr stark auf Text und überlässt die grafische Aufwertung lieber komplett dem Nutzer.